Einkommen schaffende Maßnahmen als Weg aus der Armut

by J. Wöhrle
Oktober 20, 2015

Herr Wöhrle und seine Frau mit Diane Umugwaneza, ihrer fast blinden Tochter Josianne sowie einer polnischen Schwester beim Besuch einer Blindenschule im südruandischen Kibeho

Herr Wöhrle und seine Frau unterstützen bedürftige Familien in Ruanda

„Wir müssen unser Augenmerk noch stärker auf die Familien legen, damit die Kinder nicht wieder auf der Straße landen.“ Dies ist eine der zentralen Erkenntnisse, die Herr Wöhrle und seine Frau nach ihrem diesjährigen Aufenthalt in Ruanda mit nach Hause nahmen. Seit Jahren unterstützen sie Straßenkinder in dem ostafrikanischen Land.

Diese Kinder werden von der ruandischen Kinderhilfsorganisation OPDE (Ouevre humanitaire pour la protection et le developpement des enfants en difficulté) in der südruandischen Kleinstadt Butare betreut. Louise Umulisa-Woehrle, die in Butare aufgewachsen ist und bis vor einigen Jahren dort gelebt hat, befragte die Familien der Kinder nach ihrer derzeitigen Lebenssituation. Es zeigte sich, dass es in allen befragten Familien am Nötigsten fehlt: unzureichende Ernährung, mangelhafte gesundheitliche Versorgung, unregelmäßiger oder gar kein Schulbesuch der oftmals zahlreichen Kinder.

Und das, obwohl Ruanda seit dem Völkermord im Jahr 1994, bei dem innerhalb von 100 Tagen mindestens 800 000 Menschen getötet wurden, bemerkenswerte Fortschritte bei der wirtschaftlichen Modernisierung des Landes gemacht hat. Sichtbar wird dies insbesondere in der Hauptstadt Kigali, die sich in den letzten Jahren durch die Realisierung zahlreicher Bauvorhaben rasant verändert hat. Dennoch gehört Ruanda immer noch zu den ärmsten Ländern der Welt. Mit seinen etwa 11,5 Mio Einwohnern weist es eine der höchsten Bevölkerungsdichten in Afrika auf. Etwa 85% Prozent der Bevölkerung lebt direkt von der Landwirtschaft, weitere 5% von der Verarbeitung und Vermarktung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse. „Daher ist die Entwicklung des ländlichen Raums in Ruanda ein Schlüssel zur Verbesserung der Lebenssituation der Bevölkerung“, so Herr Wöhrle.

 

Besonders bewegt hat die beiden Esslinger das Schicksal von Diane Umugwaneza. Gemeinsam mit ihren vier Kindern hat sie viele Jahre auf der Straße verbracht. Ihr ältester Sohn Patrick lebt seit einiger Zeit in einem Betreuungszentrum von OPDE. Die Organisation baute im vergangenen Jahr mit Hilfe von Spenden der Lerchenäckerschule in Esslingen ein einfaches Haus für die Familie. So soll verhindert werden, dass Patrick nach seiner bald anstehenden Wiedereingliederung in die Familie sofort wieder auf die Straße geht. Trotz der wesentlich verbesserten Wohnsituation geht es der Familie weiterhin schlecht. Frau Umugwaneza erledigt Gelegenheitsarbeiten für einen Tageslohn von 0,90 €. Dies reicht bei Weitem nicht, um die derzeit drei zu Hause lebenden Kinder ausreichend zu ernähren, geschweige denn ihnen einen Schulbesuch zu ermöglichen. Die 12jährige Tochter Josianne, die noch nie in einer Schule war, ist fast blind. Ein Arzt teilte Louise Umulisa-Woehrle mit, dass das Kind vollends erblinden könnte, falls keine rasche medizinische Behandlung erfolge.

Gemeinsam mit ihren ruandischen Partnern möchten Herr Wöhrle und seine Frau nun diese und andere bedürftige Familien unterstützen, um deren Lebenssituation zu verbessern. Zentral dabei sind für sie Maßnahmen, die helfen, die Einkommen der Familien zu erhöhen. Oftmals hilft schon ein geringes Startkapital und eine Begleitung durch Experten, um eine „Geschäftsidee“ zu verwirklichen. Der Wunsch von manchen Familien ist es beispielsweise, in einer Kooperative, eine kleine Schweinezucht zu betreiben und eigenes Land zur Selbstversorgung zu bewirtschaften. Außerdem soll ihnen finanziell geholfen werden, eine Krankenversicherung abzuschließen und ihren Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen.

Diese Projekte können auch in Form von Patenschaften mit den betroffenenen Kindern unterstützt werden.

Herr Wöhrle und seine Frau mit bedürftigen Bewohnern der ruandischen Kleinstadt Butare

- Dieser Artikel erschien auch in der Esslinger Zeitung -

 

 

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